Alle Beiträge von Holger Buss

Kursus Meeresbiologie auf Borkum

     

Die Unterwasserwelt in der Nordsee hat mehr zu bieten, als altes Eisen.

Biologe Dr. Alexander Stollenz hat uns in einem spannenden zweitägigen Seminar auf Borkum viel über 

  • Ökosystem
  • Umweltfaktoren
  • Stoffkreisläufen
  • Nahrungsketten
  • Räuber-Beute Verhältnisse
  • Anpassungen der Lebewesen an den Lebensraum
  • Ökologische Nischen
  • und unzähliges mehr…

beigebracht.

Anschliessend ging es ins Wasser, wo die Teilnehmer Lebewesen beobachten, dokumentieren und Fotografieren sollten.
Am zweiten Tag wurden dann die Ergebnisse ausgewertet und besprochen.

Alle Taucher gelangten zu der Erkenntnis, dass die Fauna und Flora der Nordsee erstaunlich vielfältig ist und sich unter der Oberfläche ein ganz erstaunlicher Lebensraum verbirgt.

Diese fossile Muschel soll angeblich etwa 120.000 (!) Jahre alt sein! Solche Muscheln können heute noch immer an den Stränden der Nordsee gefunden werden. Sie stammen aus dem sog. Eem-Meer.

 

 

Es gab natürlich Labskaus 😉

 

Entwicklung eines Strömungssensors

Wie der Name unserer Gruppe schon sagt: Die Gezeiten sind für uns ein zentrales Thema.
Nur zu dem Zeitpunkt wenn die Tide kentert ist es uns möglich, zu tauchen.
Außerhalb dieses Zeitfensters ist die Strömung durch Ebbe und Flut viel zu stark.

Wir richten uns zwar immer nach den offiziellen Gezeitenkalendern der Ostfriesischen Inseln, haben aber dabei immer wieder erhebliche Abweichungen beobachtet.

Nun wollen wir diese Effekte genauer untersuchen und haben dafür einen Sensor entwickelt.
Erwird in ca. 25m Wassertiefe am Wrack befestigt und zeichnet die Strömung, die Wassertemperatur und die Uhrzeit auf.

Video

Funktionsmuster

Das erste Funktionsmuster – hier noch per Hand verdrahtet

Kleinserie

Test

Am 22.05.2018 konnten wir den Sensor am Wrack befestigen.

Ein Kamerateam vom NDR war dabei und hat gefilmt.

 

  

 

 

 

 

Tausch des Sensors und Auswertung

Bereits nach acht Tagen erlaubten es die Wetterbedingungen, erneut zum Wrack zu fahren.
Wir konnten den Sensor austauschen. Die Ergebnisse sind vielversprechend.
Die Strömungen des Gezeitenwechsels lassen sich deutlich erkennen.

Wir haben einen Algorithmus erstellt, der aus den geloggten Daten die Zeitfenster für das Stauwasser bestimmen kann.

An der nächsten Version des Sensors werden wir nur geringe Modifikationen vornehmen müssen.
Lediglich die Messdauer werden wir von zwei auf vier Sekunden erhöhen und die Auflösung der Winkelmessung vergrößern.
Dadurch werden die Daten weniger rauschen und noch genauer sein.

 

 

Gezeitentaucher in der Presse

Wir sind überrascht und begeistert von dem Medienecho.
Mehrere Vorträge sind bereits in Planung.

Spiegel online

Gleich nach der Veröffentlichung des Prospektionsberichts hat SPIEGEL ONLINE das Thema aufgegriffen.

Spiegel online Link

NDR – Forschung mit Tauchgang: Das Wrack der “Elsa”

Der NDR berichtet vom Treffen der Enkel mit den Gezeitentauchern.

Link (NDR)

NDR – Das Geheimnis um WrackX

 

Link (Mediathek)

 

Fachmagazin: VDST Sporttaucher

 

Die Verbandszeitschrift des VDST ist die auflagenstärkste Fachzeitschrift über den Tauchsport in Deutschland.
Es hat uns besonders gefreut, dass der Unterwasserarchäologe Elmar Klemm so ausführlich berichten konnte.
Link

Tageszeitungen

   

 

 

  

 

Vortrag am 13.05.2018 in Rostock

Vortrag

Am 15.03. haben wir im Rostocker Schifffahrtmuseum einen Vortrag: Die Gezeitentaucher – Wracktauchen in der Nordsee gehalten.
Der Saal war voll und die Zuschauer haben gebannt bis zum Schluss zugehört.
Wilfried, Holger und Ernst Weitendorf (der Enkel des Kapitäns) haben in dem fast zwei Stunden dauernden Vortrag ausführlich über die Gezeitentaucher und den Wracks berichtet.
Das Kapitel: “WrackX bzw. SS ELSA” hat Ernst Weitendorf mit interessanten Berichten über die letzten Stunden der ELSA abgeschlossen.

Außerdem konnten wir sehr interessante Personen treffen, die direkt mit dem Schicksal der ELSA verbunden waren.
So haben wir z.B. Jörn Reiche getroffen, dessen Großvater als erster Offizier bis zum Schluss versucht hat, den Untergang zu verhindern.

Beitrag im NDR

Der NDR war auch dort und hat noch am selben Abend von diesem Treffen berichtet.

 

Hier der Link in die Mediathek des NDRs: Video

 

 

  

 

 

 

 

 

 

   

Beim Besuch im Schifffahrtsmuseum konnten wir über Dampfmaschinen fachsimpeln.


Holger vor dem Originalgemälde der Elsa.

  

 

Das Geheimnis von Wrack X ist endlich gelüftet

Das Jahr 2017 war für uns Gezeitentaucher besonders erfolgreich. Nach zehn Jahren konnten wir endlich das Rätsel um unser Wrack X lüften. Dieses Wrack liegt uns Gezeitentauchern besonders am Herzen, weil wir es bereits im Jahre 2007 entdeckt hatten. Damals spürten Dirk und sein Bruder es mittels einem Echolot, dem sog. “Fischfinder” auf. Diverse Recherchen hatten ergeben, dass das Wrack bislang noch nicht identifiziert war und wir gaben ihm den Namen “Wrack X”. Die Bauweise ließ auf eine Konstruktion zwischen 1890 und 1930 schließen.

Nun gelang uns endlich die eindeutige Identifizierung 

Ulrich Hofmann, Dirk Terbeek, Dirk Heinemann, Wilfried de Jonge, Thorsten Bakker, Oliver Hirsch, Holger Buss, (es fehlt: Thorsten Lex)

Die Geschichte im Video:

 

Archäologische Herangehensweise

2017 haben wir an Kursen zur Unterwasserarchäologie teilgenommen.

Die erlernten Methoden der Vermessung, 3D-Modellierung und Dokumentation wurden bei vier Tauchgängen im September 2017 von uns Gezeitentauchern auf das Wrack X angewandt. Zunächst konnte so eine erste “Phantomzeichnung” des Schiffs angefertigt werden

Skizze vom Fundplatz

Daraus konnten wir dann die Phantomzeichnung erstellen.

Phantomzeichnung von Wrack X

Umfangreiche Recherchen

Dann begann eine umfangreiche Recherche. Es wurden hunderte Zeitungen aus dem Zeitraum zwischen 1900 und 1950 gesichtet und zahlreiche Schiffsuntergänge in der Nordsee untersucht. Von den infrage kommenden Schiffen mussten Zeichnungen, Fotos oder weitere Daten aufgetrieben werden. Alle wurden mit der Phantomzeichnung von Wrack X verglichen.

Bei der Recherche wurde zum Beispiel auf das digitalisierte Archiv der maritimen Zeitschrift “Hansa” zurückgegriffen, die seit 1864 auf dem Markt ist. Dort fand sich dann auch der entscheidende Hinweis.

Es dauerte noch einige Tage, um an weitere Informationen des Dampfers “SS Elsa” zu kommen. In dem Archiv eines niederländischen Museums fanden die Gezeitentaucher dann endlich ein Foto des 1917 gebauten Schiffs.

Fotografie der SS Elsa (Damals noch unter dem Namen “Hermina”)
Quellenangabe: “Collectie Het Scheepvaartmuseum, Amsterdam”

SS Elsa – ex. Hermina – ex. Polmina – ex. Oskar – ex. Elsa Marie

Es handelt sich um das 1917 gebaute Schiff SS Elsa, das 1936 bei Sturm in der Nordsee gesunken ist. Es gehörte dem bekannten Kapitän Ernst Weitendorf aus Rostock, der bis ins hohe Alter das DDR-Segelschulschiff “Wilhelm Piek” geleitet hatte.

SS Elsa
Weitere Namen: Hermina, Polmina, Oskar, Elsa Marie

Baujahr 1917
Kategorie: Frachtschiff, Stahl – genietet
Länge: 61,2m
Breite: 9,2m
Tiefgang: 3,8m
Geschwindigkeit: 9kn
Antrieb: Dampfmaschine, Dreifach-Expansion, 600 PS, zwei Kessel
Decks: 1
Tonnage: 870 BRT / 409 NRT
Gesunken: 1.12.1936 bei Sturm vor Norderney (Nordsee)
Letzte Fahrt: von Danzig (Ostsee) nach Cherbourg (Frankreich) mit einer Ladung Kohle
Verluste: 10
Überlebende: 2 

Prospektionsbericht

Hier der vollständige Untersuchungsbericht zum Wrack X .

Download Prospektionsbericht SS Elsa (Wrack X)
Darin befinden sich alle Informationen, die wir zum Wrack gesammelt haben.

Nachfahren des Eigners

Damit war nach zehn Jahren endlich das Rätsel um Wrack X eigentlich gelöst, aber wir forschten weiter. Wir fragten uns, was genau passiert war und ob es überlebende gegeben hat, oder ob es sogar noch Nachfahren dieser Überlebenden gäbe. 

Es gelang uns, einen Enkel des Kapitäns ausfindig zu machen und mit ihm Kontakt aufzunehmen. Dieser hatte tatsächlich noch Unterlagen und Zeitungsausschnitte von seinem Großvater. So war der Untergang des Schiffes in dessen handschriftlichen Memoiren dramatisch geschildert.

Die Gezeitentaucher mit dem Enkel des Kapitäns

Das Bild eines Ölgemäldes war schließlich der krönende Abschluss des Krimis um das Wrack X. Die gesamte und ausführliche Geschichte findet Ihr in unserem Buch.

Unser Buch: Die Gezeitentaucher (Ab Januar 2018)

ISBN: 978-3-00-058773-3  
Das haben wir zum Anlass genommen, endlich unser seit einigen Jahren im Entwurf befindliches Buch “Die Gezeitentaucher” fertig zu stellen.

Es wird auch auf dem Stand von der Oceanex Tauchlampe (Halle 3 D06) zu erwerben sein.

Link

Entwurf des Buches – hier noch nicht gebunden.
Es wird hochwertig gefertigt.

Darin enthalten sind viele Unterwasserfotos aus der Nordsee, Beschreibungen verschiedener Wracks und spannende Berichte.

 

 

 

Wrack X – der Krimi geht weiter

Das Wrack X lässt uns keine Ruhe.

Diese Fragen treiben uns an:

  • Um welches Schiff handelt es sich?
  • wann ist es gesunken?
  • weshalb ist es gesunken?
  • wo kam es her – wo wollte es hin?
  • was hat es geladen?
  • gab es menschliche Verluste und gab es Überlebende?

Ein weiterer Tauchgang am 10. September

An Bord waren Olli, Thorsten B., Dirk T., Dirk H. und Holger. Unser Skipper Kai war zum ersten mal dabei und machte einen super Job.

Dieses mal spielte das Wetter nicht ganz so mit wie beim letzten mal. Wir hatten recht viel Wind (5Bft) und ca. 1m Welle.
Wir beschlossen, trotzdem zu tauchen und einigten uns darauf, dass alle am Ende des Tauchgangs an der Boje wieder auftauchen sollten, um in der Welle nicht zu weit abgetrieben zu werden.

Vermessungen

Unser Ziel ist es, eine  maßstabsgetreue Zeichnung von dem Wrack anfertigen zu können. So nahmen wir dieses mal wieder Maßbänder und Schreibtafel mit.

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Diese Messpunkte wollten wir vermessen:
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Die Zeichnung zeigt einige Details des Wracks, die bei der Identifizierung wichtig sein könnten

Detailvermessung: Rohr

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Thorsten und Dirk vermessen ein Rohr, das entweder ein Ladebaum oder ein Teil eines Mastes gewesen sein muß. Die Länge wird mit 8m bestimmt.

Bei unserem letzten Tauchgang fanden wir bereits dieses dreieckige Teil direkt am Kopf der Dampfmaschine:

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Wir untersuchten es genauer und identifizierten es als Kondensator – genauer: “Oberflächenkondensator”.
Der diente dazu, den Dampf am Ausgang der Dampfmaschine abzukühlen. Das kondensierte Süßwasser konnte dann wieder zurück in den Kessel gepumpt werden. Der Kondensator wird mit Seewasser gekühlt.

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Nach dem Tauchgang kamen wir mit einigen Messwerten und neuen Eindrücken wieder an Bord der Geromino. Es konnten wieder einige Details geklärt werden, aber es bleiben immer noch viele Fragen offen.

Jetzt ist auf jeden Fall erst mal Recherche am Schreibtisch gefragt…
…und wir hoffen auf gutes Wetter, damit wir bald wieder los können 🙂